







Der Charme DER KLEINEN PHILHARMONIE hat Tradition.
Das Haus, in dem sich unsere Bar befindet, wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut,
von Anfang an schon wurde das Erdgeschoß gewerblich genutzt. Das Eckgeschäft war
zu dieser Zeit ein Tabakladen. Wo sich heute DIE KLEINE PHILHARMONIE befindet, richtete
sich damals eine Schneiderei ein. Zwischen den beiden Weltkriegen betrieb eine Familie
Scholz an dieser Stelle dann einen Obst-
für die zerstörte Kantine der gegenüberliegenden Musikhochschule.
Frau Wanda Vrubliauskaite übernahm 1959 das Lokal, und nannte es forthin
DIE KLEINE PHILHARMONIE, nachdem entgegen ursprünglichen Plänen die "große Philharmonie" nicht gegenüber der Bar in der Schaperstraße errichtet wurde.
Dort wurde später die Freie Volksbühne errichtet, die Philharmonie zog wegen der damals erhofften Wiedervereinigung zum Kemperplatz. Auch wenn der Nachname der Wirtin schwierig auszusprechen war, wurde das Lokal bald in der ganzen Stadt bekannt, man verabredete sich hier und sagte nur: "Bis später bei Wanda".
Auf die Welt kam Wanda Vrubliauskaite am 04. Juli 1923 im litauischen Kaunas als jüngstes von neun Kindern. Ihre Mutter war Wäscherin, ihr Vater Stuckateur.
1938 brachte sie ein Schulstipendium nach Berlin, sie kam nach Dresden,
wurde dort ausgebombt und ging schließlich in die damalige Tschechoslowakei.
Nach erster Ehe folgte die erste Scheidung. 1947 kam Wanda als Trümmerfrau wieder zurück nach Berlin. Tagsüber schleppte sie Steine, nachts arbeitete Sie in einer Bar, für 87 Pfennig die Stunde,
bis es dann für ihr eigenes Lokal, DIE KLEINE PHILHARMONIE reichte.
Fast vier Jahrzehnte fungierte sie hier als
"Mutter Courage des Zapfhahnes".
Ihr heiteres Temperament, ihre Sprache, ihre Größe und ihr starker Charakter summierten sich zu einem lebenden Original. "Einfache Stammgäste" wurden von ihr ebenso gut bewirtet wie die vielen prominenten Künstler und Politiker,
die hier verkehrten, wie z.B. der ehemalige Berliner Regierende Bürgermeister Willy Brandt.
Für die Sorgen und Nöte ihrer "Jungs", darunter oft auch ältere schwule Gäste, hatte sie stets ein offenes Ohr. Sie konnte zuhören und trösten, half ganz praktisch und schaffte es immer wieder, "ein Licht" anzumachen.
Ihre Trinkgelder spendete Sie regelmäßig für wohltätige Zwecke, auch bei ihren Feiern sammelte Sie stattliche Beträge, die sie oft aus eigener Tasche aufrundete.
In ihren letzten Lebensjahren galt Wandas besondere Sorge den Aidskranken und Positiven. In Wandas Kneipe drehte das ZDF einen ersten Beitrag über AIDS,
die damals noch unbekannte Krankheit. Die erste Positiven-
aus Angst das Geschäft könnte darunter leiden. Wanda rief das Cafe Viktoria im Auguste
Viktoria Krankenhaus ins Leben. Sie besuchte die Aidskranken auf den Klinikstationen
und spendierte dort Kaffee und Kuchen, auch für die Angehörigen und das Personal.
Ihr Beispiel fand viele Nachahmer, selbst in Krankenhäuser in den USA wurden Cafés
nach ihrem Vorbild eingerichtet. Das schwule Stadt-
Bis zuletzt verkaufte sie die roten Schleifen, Cruising Packs und veräußerte Safer-
Ihr bewegtes Leben erfüllte sich am 20. April 1997,
sie starb an den Folgen von Krebs.